16.04.2001 >> Im Restaurant
16.04.2001 >> Englischunterricht
26.04.2001 >> Abschied von Peking nach Qingdao
26.04.2001 >> Die Braut, die sich traut

 

Montag, 16.04.2001  

Restaurant 1
Heute haben wir beschlossen, uns einen Luxusabend zu machen und Pekingente zu essen. Also sind wir in eines der teuren, guten Entenrestaurants der Stadt gefahren und haben es uns schmecken lassen. Wir hatten so einen abgeschlossen Raum für 12 Personen für uns alleine.
Nach der ersten halben Stunde, die Gerichte waren noch nicht halb aufgegessen, kam die Kellnerin und meinte, ob wir die Rechnung wollen. Nein, wollen wir nicht...
Nach einigen Minuten wollten wir noch neue Getränke bestellen, die Kellnerin kam aber mit der Rechnung. Wir konnten sie überzeugen, dass wir diese nicht wollen. Im Laufe der nächsten halben Stunde ist die Kellnerin allerdings immer wieder gekommen um zu fragen, ob wir die Rechnung wollen. Bis sie dann letztendlich die Rechnung vor uns hinlegte und sagte wir hätten doch aufgegessen, ob wir jetzt nicht auch bezahlen und gehen wollten. Schade, in China hat man wohl keine Zeit zum gemütlich essen und sitzen...

Restaurant 2
Gegenüber von der Uni gibt es ein kleines Restaurant, von uns liebevoll "die Garage" genannt. Gestern war ich mit julie in der Garage essen. Julie ist Französin, aber asiatisch aussehend. Am Tisch neben uns sassen 3 Chinesen, die uns die ganze Zeit schon schräg angeguckt haben ('wow, die Weisse isst mit Stäbchen..")
Schliesslich haben sie dann all ihren Mut zusammen genommen und gefragt, wo wir herkommen. Auf Julies aussage hin "aus frankreich" fing eine heitere Dissukssion an, ob denn in Frankreich alle Leute wie Chinesen aussehen. Trotz unserer Argumente sind die Chinesen vom Nachbartisch nicht zu überzeugen gewesen, dass Frankreich in Europa liegt und dort auch Weisse, Schwarze... leben. Nein, Frankreich muss Asien sein, so wie Julie aussieht.
Während dieses Gesprächs konnten Julie und ich uns vor lachen kaum halten, aber im Nachhinein finde ich es doch schon irgendwie erschreckend, wie wenig man doch über andere Länder und Sitten hier in China weiss.

 

 
Montag, 16.04.2001  

Englischunterricht
Da ich als Studentin immer knapp bei Kasse bin, habe ich mir einen Nebenjob gesucht. Ich unterrichte seit Anfang März 6 Stunden in der Woche am "Canadian Institute of buisness and technology".
Meine Klasse ist das 2+2 Programm. Was heissen soll, dass sie erst hier in China 2 Jahre Englischunterricht machen und dann 2 Jahre lang ins Ausland gehen um ihren MBA zu machen!
Die Schüler sind alle zwischen 17 und 25 Jahren alt und ein ganz süsser Haufen! Ein mal in der Woche mache ich Ausflüge mit ihnen, um angewantes Englisch zu lernen.
So waren wir zum Beispeil Drachensteigen in einem Park, aber auch im Supermarkt einkaufen. Nach dem "Ausflug" in den Supermarkt wollte ich die neuen Vokabeln (Zahnpasta, Toilettenpapier, Milch, Chips...) noch einmal wiederholen. Ich habe also meine Schüler gebeten, ein Wort zu nennen, was wir eingekauft haben und es zu beschreiben. Schüler K konnte sich auch direkt an "milk" (milch) erinnern, aber die Beschreibung "it's a fruit, colour is red" (sollten wohl Erdbeeren sein) war meiner Meinung nach nicht ganz passend. Schüler W hat sich bereit erklärt zu übernehmen. "It's a fruit, but it's green and yellow" (hier war die Ananas gemeint). Und so ging das Rätselraten, was denn "milk" ist fröhlich weiter.
Die Schüler haben mir die chinesischen Wörter für Zahnpasta, diveres Obst und Gemüse, Brot und andere Dinge an den Kopf geschmissen, aber die Wahrheit hat keiner gewusst. Und trotzdem muss ich sagen: In den letzten 2 Monaten Unterricht haben sie doch schon so einiges gelernt!!!

 

 
Donnerstag, 16.04.2001  

Abschied von Peking nach Qingdao
Am Donnerstag abend hiess es für mich also Abschied nehmen von Peking, der Uni meinen Freunden... und auf in den Kampf! Ein paar Freunde haben mich zum Bahnhof begleitet. Da bis zur Abfahrt des Zuges noch viel Zeit übrig war, haben wir uns ein paar Bier gekauft, uns dann in die Bahnhofshalle gesetzt und uns mal wieder zum Gespött der Chinesen gemacht. Naja, jedenfalls haben wir etliche Blicke/Anmachversuche... bekommen!
Irgendwann wurde es dann leider Zeit für mich einzusteigen. Der Abschied war schwer, aber ich weiss ja, dass ich noch mal nach Peking kommen werde und auch, dass Holland nicht aus der Welt ist. Hoffe ich...
Freitag morgen bin ich dann in Qingdao angekommen und Nicolette hat mich am Bahnhof abgeholt. Zuerst waren wir bei ihr am Wohnheim. Ich habe im Nachbarzimmer geschlafen, da eine Freundin verreist war. Freitags waren wir im Zhongshan Park zwischen unzählbar vielen Chinesen. Sie alle kommen dort hin um die blühenden Blumen (Tulpen!), Windmühlen und auch den kleinen Zoo zu bewundern. War ganz nett, vor allem jedoch, weil ich endlich wieder mit Nicolette quatschen konnte.
Gestern waren wir dann auf Huangdao, einer kleinen Insel (?) eine Stunde von Qingdao. Das mit der Insel ist jedoch fraglich, da wir es für eine Touristenfalle halten und glauben, dass wir nur auf die andere Seite der Bucht gefahren worden sind mit der Fähre. Naja, dort hatten wir jedenfalls einen schönen Tag am Strand in der Sonne. Und berühmt sind wir vielleicht auch geworden... wenn man das an der Zahl der Fotos ausmachen kann, die andere Leute von uns haben wollten. Alle paar Minuten ist jemand gekommen und wollte sich mit uns Weissen (hübschen;-)) fotogarfieren lassen. Wir hätten reich werden können...
Abends haben wir uns dann mit Neile getroffen, ein Ami der in Baoling unterrichtet. Ich habe ihn letzte woche in Peking kennengelernt. Zusammen haben wir dann noch was bei Kentucky gegessen, bevor er dann zurück nach Hause gefahren ist.
Heute war ein recht anstrengender Tag. Die erste Gipfelbesteigung stand an: lao shan. Dort sind wir erst Stufe für Stufe hochgelaufen (warum müssen Chinesen auf jeden Berg stufen machen???). Oben am Gipfel haben wir dann den Weg etwas abseits von dem Chinesenweg zu einem Tempel und dann an einem Wasserfall zurück zum Tal genommen.
Jetzt sind wir arg kaputt. Waren noch schnell etwas essen und checken jetzt emails. Gleich muss ich umziehen, da Nicolettes Freundin wiedergekommen ist und ich ihr Zimmer daher räumen muss. Ich habe jetzt eine billige Absteige in der Stadt. Mal schauen, wie es wird!

 

 
Donnerstag, 16.04.2001   Die Braut, die sich traut
Hier in Qingdao gibt es einen besonders schönen Strand, an dem eine schlossähnliche Villa steht. Nicht so schön wie Neuschwanstein, aber für China...:-)
Jedenfalls scheint das ein berühnmtes Motiv für Brautfotos zu sein. Man muss wissen, dass in China Hochzeitfotos nicht auf der Hochzeit gemacht werden, sondern dann, wenn man sich gerade dazu hübsch genug fühlt.
An dieser Strandstelle kann man die Fotosession einmalig gut beobachten. In einem angrenzenden Park sieht man schon die Bräute, wie sie schlangestehen. Noch lässt nicht viel darauf schliessen, dass sie Bräute sind denn sie tragen den obligatorischen chinesischen Jogginganzug. Verräterisch sind nur die ganzen Menschen drumherum, die ihr in den Haaren rumwurschteln, das Gesicht pudern...
Wenn Braut Nummer eins fertig ist, darf Braut Nummer 2 sich also ihr Brautkleid anziehen und herunter zum Strand gehen um die Fotos zu machen. Braut Nummer 3 bis X (ca 20) warten weiter im Park, bis dann auch Braut nummer 2 fertig ist und so weiter...
An dem Tag, als ich an diesem Strand war, war dort auch eine andere "weisse" Familie, mit ihren kleinen Kindern (ca 1 und 3 jahre). Die ältere Tochter ist aus dem Model spielen gar nicht mehr raus gekommen, denn jede Braut fand das Kind ja ach so niedlich und hat um ein Foto mit dem Kind gebeten. Manche Sachen kann man als Ausländer glaube ich nicht verstehen...